Hier bin ich und schaue/Here I am looking

Von Pamela Woolford

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Hier bin ich und schaue in die Kamera. Im letzten Sommer, 2016, und ich werde mich gleich neben Frauen hinlegen, die ich nicht kenne. Da sind mehr als vierzig von uns. Jede hat sich in ein Leintuch gewickelt, verteilt von einem Volontär.

Wir stehen noch in der Gruppe beisammen, warten darauf, uns denen am Boden anzuschließen, beobachten, starren die an, die vor uns aufgereiht liegen, so wie wir auch gleich liegen werden, Schulter an Schulter, die Arme aneinandergepresst, als zweite Linie über der, die bereits liegt.

Für mich unerwartet ist da kein Aroma von Puder oder Parfüm. Ich rieche den Duft unserer Körper. „Hier bin ich und schaue/Here I am looking“ weiterlesen

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Unser Hitler/Our Hitler

Von Eduardo Santiago

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Der 25. November wird bei uns zu Hause Markmas genannt, weil es genau einen Monat vor Weihnachten und außerdem Marks Geburtstag ist. Er liebt alle Feiertage und einen weiteren hinzuzufügen ist eine Tradition, die der Rest der Familie und alle unsere Freunde nur zu gerne unterstützen.

Aber wie sollen wir den 25. November jetzt nennen, da dieser Tag durch den Tod des tyrannischen kubanischen Diktators, Fidel Castro, beschmutzt wird? Sein Tod ist politisch unbedeutend, selbst wenn er von vielen in den Straßen Havannas »betrauert« wurde, ob sie nun wollten oder nicht. Neun Tage Staatstrauer wurden angeordnet, was bedeutet, dass jeder, der dabei erwischt wird, Radio zu hören oder fernzusehen oder nur einfach vor sich hinsummt – selbst wenn es in den eigenen vier Wänden geschieht – mit Konsequenzen rechnen muss. Wer Probleme mit Wörtern wie »tyrannisch« oder »Diktator« haben sollte, weiß nun Bescheid. „Unser Hitler/Our Hitler“ weiterlesen

Liebe Tochter!/Dear Daughter

Von Lia Langworthy

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Liebe Tochter!

Du bekamst einen Weinkrampf, als CNN ihn zum Gewinner erklärte. Wie betäubt, mit stoischer Ruhe, hielt ich dich, meine Gedanken kreisten, überlastet, defekt, unfähig, zu verarbeiten, was ich hörte und sah. Ich implodierte vor lauter heimtückischen Emotionen. Tröstliche Worte fielen mir keine ein.

Ich rief deinen Vater an. Er sollte sich um deine Ängste und Fragen kümmern, während ich dir den Rücken streichelte. Ich wünschte mir verzweifelt, mit dir weinen zu können, aber stattdessen wartete ich darauf, dass mein Körper zu meinen außer Kontrolle geratenen Gefühlen aufschließen würde.

Während du mit deinem Vater sprachst, habe ich ferngesehen und meinen eigenen narzisstischen schwarzen Vater in Donald Trumps Rhetorik gehört. Ich erkannte das weiße Privilegiendenken meiner Mutter in den Millionen weißen Frauen, die für ihn gestimmt hatten. Ich sah einen Sextäter, der ungestraft davongekommen ist. Ich sah die Abscheulichkeit des Hasses in den Millionen Rassisten, die dieses Land Heimat nennen. Ich sah ein System weißer Überlegenheit, das offen den Spitzenplatz fordert. Ich sah das alles, hatte aber zu große Angst, es zu fühlen. Ich war nicht in Sicherheit, obwohl ich wohlbehalten neben dir auf der Couch saß. Die Wahlergebnisse hatten meine Gedanken und meinen Körper auf zwei verschiedene Planeten geschossen. Wann würden sie wieder landen und sich vereinigen?
„Liebe Tochter!/Dear Daughter“ weiterlesen

Die Straßen/The Streets

Von Raya Yarbrough

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Meine Tante brachte mich nach Harlem, zum Adam Clayton Powell Jr. Blvd.
Sie sprach mit mir über Geschichte und Kampf,
und in meinem Kopf wurde das die Geschichte vom Kampf.
Und mein Leben ging weiter.
Farblose Gespräche.
Fröhliches weißes Rauschen.
Dann wachte ich auf, und ihre Worte waren nicht Geschichte.
Leg deine Hand auf den Asphalt.
Die Straßen sind heiß.
Sie kühlten nie ab. „Die Straßen/The Streets“ weiterlesen

Ein Angestellter mit 324 Millionen Chefs

In einer wortgewaltigen Kolumne im Miami Herald erinnert Autor, Journalist und Pulitzer Prize Gewinner Leonard Pitts, Jr den Präsidenten der Vereinigten Staaten daran, dass er jetzt ein Angestellter ist, kein Kaiser.

»You tell people to make something happen, and it does. You yell at a problem, and it goes away. Nobody talks back. I can see how it would be hard to give that up. But you did. You see, you’re no longer an emperor, Mr. So-Called President. You’re now what is called a “public servant” — in effect, an employee with 324 million bosses. And let me tell you something about those bosses. They’re unruly and loud, long accustomed to speaking their minds without fear or fetter. And they believe power must always answer to the people. That’s at the core of their identity.«

Message from the people of the USA to all of our fellow human beings

ENGLISH VERSION BELOW!

Von Brad Newsham

Ihr hört wahrscheinlich dieser Tage einige seltsame Neuigkeiten aus Amerika. Aber viele hier glauben, dass wir gerade einen bitter notwendigen Siedepunkt erreichen, einen Wendepunkt, der zu der Verwandlung führen wird, die wir Menschen (ob wir wollen oder nicht) durchmachen müssen, um zu überleben und die „nächste Bewusstseinsebene“ zu erreichen. Eine Ebene, die wir uns von dem Punkt, an dem wir uns gerade befinden, kaum vorstellen können. Ich male mir diese Ebene als einen Ort aus, wo jeder Einzelne als wertvolles Mitglied des Menschenteams zählt (ist das nicht, ganz ehrlich, alles, was wir uns vom Leben wünschen?) und als Ort, wo Gesellschaft und Regierung Gerechtigkeit für alle (das erklärte Ideal der USA) sowie Essen, Gesundheitsversorgung, Ausbildung und Lebensqualität für sämtliche Bewohner dieses kleinen Planeten Erde sicherstellen. „Message from the people of the USA to all of our fellow human beings“ weiterlesen

Ehrensache/Act of honor

ENGLISH VERSION BELOW!

Von Nate Whitehouse

Ich ging gerade die Collins Avenue entlang in Richtung meiner aktuellen Obdachlosenunterkunft, als ich an einer Bushaltestelle vorbeikam. Auf der einen Seite war eine iPhone-Werbung mit einem jungen, gemischtrassigen Surfer. Auf der anderen Seite eine Yves-Saint-Laurent-Werbung mit zwei knutschenden Kerlen.

Auf die eine war in fetter, schwarzer Schrift „Ich hasse Nigger“ gekritzelt. Auf die andere bloß das Wort „Nigger“ mit einem schwarzen Pfeil zum Gesicht des Mannes.

Ich hab erst mal ausgespuckt, eine Schnute gezogen und bin weitergegangen. Aber später am Tag ist mir die Ambivalenz dieser kleinen, feigen Taten bewusst geworden.

Also bin ich zum Laden gegangen, habe WD-40-Kriechöl und Küchenkrepp gekauft und es beseitigt. „Ehrensache/Act of honor“ weiterlesen

Begrabt das Weiße Haus unter Büchern!/Bury the White House in Books on Valentine’s Day!

ENGLISH VERSION BELOW!

Von: Aaron Hamburger

Mein Name ist Aaron Hamburger. Ich bin Autor und habe zusammen mit Stacie Whitaker, die ebenfalls Autorin ist, den Event »Bury the White House in Books« (»Begrabt das Weiße Haus unter Büchern«) ins Leben gerufen.

This Valentine’s Day, share our love of literature and hopes for a better world by burying the Oval Office in a mountain of great books. In the process, we’ll support local bookstores and the publishing industry.

Here’s how it works, in 3 easy steps.

Step 1: Buy a book you think President Trump should read at your local indie bookstore or favorite book purveyor.

Step 2: Inside the book, write a note to the administration either explaining why you chose the book, and/or promoting an issue you care about. Anything of your choice.

Step 3: This February 14th, Valentine’s Day, put your book in the mail to:
President Donald Trump
The White House
1600 Pennsylvania Ave. NW
Washington, DC 20500

So viele politische Gespräche drehen sich darum, wogegen wir sind. Unserer Bewegung geht es vielmehr darum, stolz aufzuzeigen, wofür wir sind, und zwar für eine Republik der Literatur, nicht der Angst … „Begrabt das Weiße Haus unter Büchern!/Bury the White House in Books on Valentine’s Day!“ weiterlesen

Im Schönen Amerika/Amerika the Beautiful

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Von Brenda Davis Harsham

Schulter an Schulter
mit Menschen, entschlossen
gehört zu werden,
hoch die Schilder
mit müden Armen,
in Tweets sprechen
zu dem Mann, der uns
den Rücken zudreht
und Millionen ignoriert
im ganzen Land
in der ganzen Welt.
Keiner kann erwarten,
gehört zu werden
wenn er nicht zuhört. „Im Schönen Amerika/Amerika the Beautiful“ weiterlesen