Von Brandy Judkins 

ENGLISH VERSION BELOW

Dystopie, (Substantiv), dys-to-pie, \dʏstoˈpiː\

1: ein imaginärer Ort an dem die Bevölkerung, ihrer Menschlichkeit beraubt, in Angst lebt

2: Literatur: das Gegenteil einer Utopie

Seit dem 9.November befindet sich die Mehrheit der Bürger_Innen und Einwohner_Innen der USA – die Mehrheit, die – so sie wählen konnte – nicht Trump gewählt hat – in einem Zustand von Angst, Wut, Empörung und Ekel. Wie konnte solch ein unqualifizierter, ordinärer, schlecht vorbereiteter, nativistischer Selbstdarsteller zum Präsidenten der USA gewählt werden? Im Jahr 2017?

Während einige rasch einwarfen »gebt ihm Zeit«, »abwarten und sehen, was passiert«, »vielleicht ist er ganz okay«, sahen sich andere, wie auch ich, in Angst und Schrecken versetzt. Mit einem Schlag war all das Vergangenheit, was wir über die USA im 21.Jahrhundert geglaubt hatten. Nativismus, Nationalismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Ethnozentrismus und reine Ignoranz sind plötzlich bei einem führenden Politiker der USA – dem Anführer der Freien Welt, wie wir gerne sagen – nicht nur akzeptiert, sondern erwünscht. Das ist eine Dystopie in der realen Welt.

Wir wählten. Wir weinten. Wir protestierten. Wir unterschrieben Petitionen. Wir mobilisierten. Wir organisierten. Wir tun all diese Dinge immer noch. Und dennoch müssen wir wieder und wieder mitansehen, wie Ideologien anerkannt werden, die gänzlich im Widerspruch stehen zu den Prinzipien der US-Verfassung und den fortschrittlichen Ansichten des 21.Jahrhunderts von Gleichheit, Gleichberechtigung, Akzeptanz und Respekt.

Wir hatten unsere kleinen Siege: hier im (roten) Nebraska brachten wir einen frauenfeindlichen Senator dazu, von seinem Amt zurückzutreten; die Flughafendemonstrationen gegen den verfassungswidrigen und unmenschlichen Einreisestopp für Menschen aus sieben hauptsächlich muslimischen Ländern, den der Präsident verfügt hat; die immensen Summen, die für ACLU (American Civil Liberties Union, die amerikanische Bürgerrechtsvereinigung) und Planned Parenthood (Non-Profit-Organisation, die in über 650 Kliniken im Land medizinische Dienste, vor allem in den Bereichen Sexualmedizin, Gynäkologie und Familienplanung anbietet) gespendet wurden, und die rekordbrechenden Zahlen von Frauen, die für politische Ämter kandidieren (in allen Parteien).

Aber wir hatten auch unsere großen Niederlagen: vor allem die Tatsache, dass alle Kandidaten von Trumps Kabinett die Freigabe erhielten.

Trumps Sieg mag Rassisten, Nativisten, Nationalisten und Chauvinisten gestärkt haben, aber er hat auch Progressive wachgerüttelt, insbesondere Frauen. Wir haben gerade erst begonnen zu brüllen.

Dieses Jahr am Valentinstag nahm ein kreatives gemeinschaftliches Projekt seinen Anfang. Wir haben einen Präsidenten, der zugibt dass er nicht liest. Seine »Bibliothek« im Weißen Haus besteht aus ein paar seiner eigenen (von einem Ghostwritern verfassten), kunstgerecht ausgestellten Bücher. Was konnten wir Progressiven tun? Wir schickten ihm Bücher. Jede Menge Bücher.

IMG_4324Ich selbst schickte dem Präsidenten ein gebrauchtes Exemplar von Fahrenheit 451, Ray Bradburys klassischer Dystopie, in der es um die Gefahren des Nichtlesens geht, um Bücherverbote und Bücherverbrennungen, um Geschichte, Kunst, Kultur, Poesie, Erzählungen und Lieder, die in Vergessenheit geraten. Ich wählte dieses Buch aus, da es unserem Präsidenten offenkundig an Respekt für das geschriebene und gedruckte Wortes fehlt. Wenn er sich die Zeit nimmt, das Buch zu lesen, das ich ihm geschickt habe (so er denn überhaupt des Lesens kundig ist) wird er vielleicht Einsicht gewinnen, warum geschriebene und gedruckte Worte so unglaublich wichtig sind. Wichtig für die Gesellschaft, für die Demokratie, für die Menschheit.

Andere schickten Bilderbücher, Schulbücher, weitere berühmte dystopische Romane, die Verfassung, die Bibel, und vieles mehr. Diese Geschenke kamen aus kleinen und großen Städten, aus Antiquariaten und dem Buchgroßhandel, aus den USA und von überall auf diesem Planeten. Viele von uns spendeten auch Bücher an unsere Gemeinden und an Nationale Organisationen, entweder in Form physischer Exemplare oder durch Geldspenden. Ich verdoppelte meine Auslage durch eine Spende an die »First Book Foundation«, die jedem Kind zu einem Buch verhilft.

Eine kleine Aktion. Eine, die möglicherweise keine größere Wirkung haben wird als ein paar Tweets oder eine knappe Schlagzeile. Und dennoch eine Aktion, die uns erlaubt, unsere gesammelte Empörung und Hoffnung zum Ausdruck zu bringen – Hoffnung, dass unser neuer Präsident vielleicht lernen kann. Selbstverständlich hoffe ich auch, als diejenige die Fahrenheit 451 verschickt hat, dass diese Bücher nicht verwendet werden, um ein Lagerfeuer zu speisen.

Wir werden weiterkämpfen, und wir werden nicht vergessen. Wir werden uns erinnern – 2018, 2020, und darüber hinaus. Wir werden wählen. Wir werden brüllen.

 

Übersetzung: Victoria Schlederer

Fotos: Brandy Judkins


Dystopia (noun), dys-to-pia, \dis-’tō-pē-ə\

1: an imaginary place where people lead dehumanized and often fearful lives

2: literature: anti-utopia

Since November 9th, the majority of US citizens and residents—the majority who voted against Trump if they could vote—have lived in a state of fear, rage, outrage, and disgust. How could such an unqualified, uncouth, unprepared nativistic showman be elected president of the United States? In 2017?

While some were quick to say »give him time«, »wait and see«, »maybe he’ll be ok«. Others, including myself, were terrified. Suddenly, everything we believed about the US in the 21st Century was gone. Nativism, nationalism, racism, misogyny, ethnocentrism, and sheer ignorance were now being rewarded as not only acceptable, but desired in a leader of the US—the leader of the free world, as we often say. This is a dystopia in the real world.

We voted. We cried. We marched. We signed petitions. We rallied. We organized. We are still doing every one of those things. And, yet, we are watching, over and over again, that ideologies that are wholly opposed to the principles of the US Constitution and progressive, 21st Century views of equality, equity, acceptance, and respect are rewarded.

We’ve had small victories—here in Red State Nebraska, getting a misogynistic state senator to resign, the airport demonstrations against the unconstitutional (and inhumane) immigration Executive Order, the massive amounts donated to the ACLU and Planned Parenthood, and the record numbers of women running for office (for all parties). But, we’ve also had major losses—all of Trump’s cabinet nominees being cleared, in particular. Trump’s victory may have empowered racists, nativists, nationalists, and misogynists, but it has also awakened progressives, particularly women. We are just beginning to roar.

This Valentine’s Day, a creative new collective effort kicked off. We have a President who has admitted he doesn’t read. Whose »library« at the White House is a few of his own (ghost-written) books artfully displayed. So, what could we progressives do? We sent him books. Lots and lots of books.

IMG_4324I personally mailed the President a used copy of Fahrenheit 451, Ray Bradbury’s classic dystopian novel about the danger of not reading, of banning and burning books, of forgetting history, art, culture, poetry, story, and song. I chose this book because our new President obviously lacks an appreciation for the written and printed word. Perhaps, if he takes the time to read the book I sent (if he is capable of reading it, that is) he will gain an appreciation for why the written and printed word is so desperately important. Important for society, for democracy, for humanity.

Others have sent picture books, textbooks, other famous dystopian novels, the Constitution, the Bible, and on and on. These gifts have come from small towns and big cities, from used bookstores and mega bookstores, from the US and across the globe. Many of us also made book donations, either physically or via monetary donations, to our communities and to national organizations. I match my cost with a donation to the First Book Foundation, which helps every child have a book.

One small action. One that may have no impact beyond a few tweets or a brief news headline. But, one that allows us all to voice our collective outrage and hope—hope that maybe our new President could learn. Of course, having sent Fahrenheit 451, I must also hope that these books do not turn into bonfire fodder.

We will keep fighting and we will not forget. Come 2018, 2020, and beyond, we will remember. We will vote. We will roar.

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