Von Peter Brown Hoffmeister

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Teil I

Sonnenaufgang, der erste Tag in Joshua Tree, ein Purpurbrustkolibri
flattert und taucht in die späten Märzblüten neben meiner Terrasse, und ein Hausgimpelmännchen
mit einem Kopf so rot wie der Teppich in Hollywood, plappert mit seinem Weibchen über
Moskito-Schmaus und Fliegenspeck zum Frühstück.
Ich drehe mich um und beobachte einen Hasen, nach Westen gewandt, schläfrig auf seinen Hinterläufen,
die dunklen Spitzen seiner Ohren fangen die ersten warmen Sonnenstrahlen, die sich von
der Wüste her nach ihm ausstrecken, als ein Rabe sich bis auf einen Fuß auf seinen Kopf herabstürzt,
den vor sich hinstarrenden Hasen erwischt, der dann springt, oder – genauer gesagt –
hüpft, aufschreckt, indem er alle vier Hasenfüße in der Luft
zur Seite von sich streckt, bevor er wieder Boden unter den Füßen hat und
zwischen Purshia und Melden im Gestrüpp verschwindet.

Bei Macy’s in Los Angeles gibt es diese Woche 30% Rabatt auf Pelzmäntel.

Teil II

Erste Nacht in Joshua Tree, die Sterne bewegen sich gegen den Uhrzeigersinn um den Polarstern –
Capella, Cassiopeia und der Große Bär – aber auch
Gestirne die ich noch nicht kenne, 3/4 Wasserstoff, 1/4 Helium
aus dem Saatbeutel Gottes geworfen, 6000 sichtbar über der Lost Horse Cabin
in jeder Nacht. Aber nur 119 Meilen entfernt
in Los Angeles, verschmutzt die verbrauchte Wattleistung eine zermahlene Tünche,
als ob die Leute, die Beton anbeten,
den Himmel angestrichen haben wie ein Nichts.

Ich habe gehört, dass angehende Schauspieler, angehende Regisseure und angehende Produzenten darüber sprechen, was
sie durch ihren Umzug nach Los Angeles gewonnen haben.

Teil III

Cap Rock, während ich barfuß zurück zum Auto laufe, Dornen von Cholla-Kakteen im Sand und ich schlurfe
mit den Füßen, um die Dornen abzureiben, damit sie nicht hängenbleiben.
Ein Kojote jault vor mir, und ich möchte nicht versuchen,
seine heiseren Schreie zu übersetzen,
March Madness, sagen die Basketball-Experten, setzt du auf Kentucky oder den Rest des Feldes?
Und ich sage, hier ist das Feld oder?
Joshua Tree?
Offene Wüste auf 4000 Fuß durch das Lost Horse Valley? Der Kojote
vor mir, lockt mich immer weiter in die Wüste zu einem Haufen
Steine, den ich nicht erkenne. Ich folge seinem Jaulen eine Meile, aber
er ist immer vor mir bis
zu diesem Augenblick,
jetzt
als ich um die Ecke biege, auf eine Anhäufung orangefarbenem Monzogranits zuhalte,
und er plötzlich vor mir sitzt wie ein zahmer Hund, und ich sage,
»Was war dein Trick, Trickster?«
Aber er sagt: »Bei denen brauchte ich keine Tricks. Überhaupt nicht. Die Leute,
sie haben sich gerade selbst ausgetrickst.«

Teil IV

Schließlich, Eine Ode an den roten Teppich selbst:

Wie hast du den Job bekommen, nicht ein grüner oder blauer Teppich. Purpur
ist die königliche Farbe und könnte der Teppich der Wahl sein
über den Stars, quirlig und beschwipst vom Vorglühen in der Limousine, hinwegstolpern oder
Beinahe-Stars – die fast Berühmten – die auf Interviews, Kameras und Mikrofone hoffen,
alles, was ihr eigenes silikonverstärktes Bild spiegeln könnte.
Unser Präsident ist orange, aber er war mal in dieser Reality Show, wo er immer sagte:
»Sie sind gefeuert!« Mit einer solchen Inbrunst, dass er einfach nur
ein Chef sein kann
ein Spiel gewinnen
eine Nation führen muss
was soviel bedeutet wie,
eine Filmrolle zu spielen?

Wenn man einen Waschbär in der Nähe einer Quelle in der Wüste fangen will, treibt man drei Zoll lange Nägel, umgebogen, in eine zwei-Pfund Kaffee-Dose und legt dann etwas Glänzendes hinein
einen Silberdollar
ein Armband
einen Taschenspiegel.
Der Waschbär, maskiert und gestreift, als ob er sich für eine besondere Gelegenheit herausgeputzt hat,
wird nach dem glänzenden Gegenstand mit seiner kleinen, dunklen Hand greifen und er wird nicht loslassen, nicht einmal dann,
wenn er entdeckt, dass er seine Faust nicht mehr aus der Falle ziehen kann. Niemals wird der Waschbär dieses
kleine glänzende Etwas loslassen, das er festhält, auch wenn er merkt, dass er
erwischt wurde, öffentlich bloßgestellt.

Übersetzung: Dorothea Stiller
Foto: Eekiv, via Wikimedia Commons

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Ein Kommentar zu „Wenn unsere kulturelle Heimat Los Angeles heißt statt Joshua Tree, wählen wir so einen Präsidenten/When Our Culture Is Los Angeles Instead of Joshua Tree, This Is How We Elect a President

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