Geheime Botschaften in der Trump-Ära

Von Amy L. Freeman

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Leiste Widerstand.

Hingekritzelt mit schwarzem Edding entdeckte ich diese Wörter am Donnerstag in der Innenseite des Kartons der Fotos, die ich bestellt hatte. Merkwürdig, dachte ich, während ich mir die ersten Fotos ansah.

Die Bilder waren von mir und meinen Kindern, als wir während des Frauenmarschs Schilder hochgehalten haben, lächelnd und entschlossen mitten in einem Meer der Menschlichkeit. Mein Blick blieb erneut an den Wörtern hängen. Waren sie für mich bestimmt? Lieferanten schicken ja normalerweise keine geheimen Botschaften an ihre Kunden. Und in Fotoläden darf man den Inhalt der bestellten Bilder eigentlich nicht studieren, oder? „Geheime Botschaften in der Trump-Ära“ weiterlesen

Fundstück: The Hope Speech

Als erster offen schwuler Politiker der USA hielt Harvey Milk 1978 diese Rede. Bald danach wurde er ermordet. Bis heute habe seine Worte nichts von ihrer Bedeutung verloren und es ist großartig, dass das Anthony Almeida mit dem Projekt »Figures of Speech« unsere Erinnerung an große Reden mit großer Wirkung wach hält.

»We believe what changes opinion, changes narrative, changes momentum, are words. Words crafted from genuinely big ideas, delivered through deft structure by inspirational women and men, wherever a meaningful audience can be found.

By exploring some of the world’s most vital speeches we want to remember what leadership sounds like, through speeches which have carved a path through our history by changing hearts and minds.« (Almeida Theatre)

Der wunderbare Ian McKellen mit Harvey Milks Hope Speech.

Pornoregierung/Porn Government

Von Eliza Mimski

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Eins

Er zog das Land aus und begrapschte es mit Schweißhänden. Als der Zipp unten war, entzweite sich das Land. Er steckte seinen Finger in den Spalt. Er steckte seinen Finger in seine Gefolgschaft, aber die bemerkte es nicht. Er schälte das Gesetz und stieß es tief hin die erste Hälfte rein. Er scheuerte das Gewebe wund. Er versprach der zweiten Hälfte prächtige Gewänder. Er raspelte Süßholz. Das Land wurde grotesk. Es nahm eine absurde Form an. Es beulte sich an seltsamen Stellen aus. Sein Kürbisgesichtgrinsen versicherte allen, dass alles war wie es sein sollte. „Pornoregierung/Porn Government“ weiterlesen

Wenn unsere kulturelle Heimat Los Angeles heißt statt Joshua Tree, wählen wir so einen Präsidenten/When Our Culture Is Los Angeles Instead of Joshua Tree, This Is How We Elect a President

Von Peter Brown Hoffmeister

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Teil I

Sonnenaufgang, der erste Tag in Joshua Tree, ein Purpurbrustkolibri
flattert und taucht in die späten Märzblüten neben meiner Terrasse, und ein Hausgimpelmännchen
mit einem Kopf so rot wie der Teppich in Hollywood, plappert mit seinem Weibchen über
Moskito-Schmaus und Fliegenspeck zum Frühstück.
Ich drehe mich um und beobachte einen Hasen, nach Westen gewandt, schläfrig auf seinen Hinterläufen,
die dunklen Spitzen seiner Ohren fangen die ersten warmen Sonnenstrahlen, die sich von
der Wüste her nach ihm ausstrecken, als ein Rabe sich bis auf einen Fuß auf seinen Kopf herabstürzt,
den vor sich hinstarrenden Hasen erwischt, der dann springt, oder – genauer gesagt –
hüpft, aufschreckt, indem er alle vier Hasenfüße in der Luft
zur Seite von sich streckt, bevor er wieder Boden unter den Füßen hat und
zwischen Purshia und Melden im Gestrüpp verschwindet.

Bei Macy’s in Los Angeles gibt es diese Woche 30% Rabatt auf Pelzmäntel. „Wenn unsere kulturelle Heimat Los Angeles heißt statt Joshua Tree, wählen wir so einen Präsidenten/When Our Culture Is Los Angeles Instead of Joshua Tree, This Is How We Elect a President“ weiterlesen

The beauty of math (Maryam Mirzakhani)

Als Teil der friedlichen Protestbewegung „Die Iden des Trump“, die sich mit Hilfe von Mailingaktionen gegen die Präsidentschaft von Donald Trump wendet, schrieb der iranischstämmige Mathematikprofessor Shadi Tahvildar-Zadeh die folgende Postkarte:

»Mr. President,
lange nachdem Sie aus dem Amt gewählt (oder enthoben) wurden und nachdem Sie ihren verdienten Platz im Mülleimer der Geschichte eingenommen haben, gleich neben anderen Diktatoren und Betrügern, wird man sich noch immer der iranisch-amerikanischen Maryam Mirzakhani dafür erinnern, dass sie die erste Frau war, die die höchste Auszeichnung der Mathematik erhalten hat. Lange nachdem man Sie gänzlich vergessen hat, wird sie nach wie vor eine Inspiration für jene amerikanischen Frauen sein, die ihren Traum verfolgen, Wissenschaftlerinnen zu werden.« „The beauty of math (Maryam Mirzakhani)“ weiterlesen

Shadi

Von Sarah Vania

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Ich bin so wütend, dass ich kaum sprechen kann. Also schreibe ich.

Bist Du je einem Iraner begegnet? Lass mich Dir Shadi vorstellen, meinen Ehemann, der seit dreißig Jahren hier lebt. Er hat Deine Kinder in Mathe unterrichtet, Deine Kollegen, Deine Mitbürger. Er bäckt Brot und er tanzt und rezitiert Lyrik und kann Dir im Prinzip den Namen eines jeden klassischen Musikstücks nennen, das Du ihm vorspielst, inklusive pikanter Einzelheiten aus dem Leben des entsprechenden Komponisten. Er ist einer der aufrichtigsten, gütigsten, klügsten und ehrbarsten Menschen, die auf dieser Erde wandeln. „Shadi“ weiterlesen

Der Kandidat/The Candidate

Von Bebe Kern

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Aus dem Fernseher ins Bewusstsein, wie
der Albtraum-Dämon meiner Mädchenjahre im Süden,
das Schreckgespenst überall: dreckiger Baseballmützenmann
auf dem Pickup mit der lastwagengroßen Rebellenflagge
beim Faschingsumzug; anzüglich grinsender Verkäufer;
Burschenschaftler, besoffen von Dewar’s Whiskey und Privileg
verspottet ein Weichei, markiert sein Revier im Rasen
ehe er erwachsen wird und das Wasser der Stadt vergiftet;
unfreiwillige Mutter, trotzig und fett, hingestreckt
auf der Couch vorm Blue Screen während die Kinder
Zucker aus der Dose trinken und Kriegsgeschrei anstimmen;
Panzerschützen-Banker-Broker verwüstet Sumpflandschaft;
alter Mann in Camouflage träumt bei Walmart
von saftigen Mädchen und Automatikwaffen;
Grundschul-Bully lacht über meine einfachen Schuhe.

Übersetzung: Claudia Toman

Good Day Café

Von Nate Whitehouse

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Ich besuchte heute ein einfaches Café in Grand Prairie, Texas, namens Good Day Café. Die Gegend dort ist flach, mit schlichten Reihenhäusern, die eine Baufirma vielleicht in den Siebzigern hingestellt hat. In dem Viertel gibt es einige Waffenläden, eine Vietnamesische Kirche und eine Menge trockenes Gestrüpp. Meine Mutter, mein Vater und meine Schwester fügten sich ins Leuchtstoff-Linoleum-Ambiente. Junge mexikanische Frauen wuselten herum, schenkten wässrigen Kaffee aus und servierten Western-Omelettes, Eier mit Chorizo. An den Wänden hing einfache, geschmackvolle Dekoration – Keramik, Bilder. Ein Familienunternehmen – irgendjemand hatte die Welt riskiert, um es auf die Beine zu stellen und es lief gut. „Good Day Café“ weiterlesen

I’m in!

Gestern hatte ich einen besonderen Brief im Posteingang, eine Nachricht von Barack Obama und seiner Obama Foundation. Dort werden die Stimmen der Bürger gesammelt, was sie inspiriert, was sie sich wünschen und was einen guten Bürger eigentlich ausmacht. In der E-Mail teilt Obama den Brief von Sindhu I., in dem sie sich bei Michelle Obama dafür bedankt, dass sie sie vor über zwanzig Jahren in einer Rede so sehr inspiriert hat, aus ihrem Leben etwas zu machen und für andere da zu sein. Sindhu arbeitet heute mit psychisch kranken Kindern und Erwachsenen sowie als medizinische Dozentin. Und dieser Absatz aus Sindhus Brief hat mich berührt, gerade am Internationalen Frauentag.

»I am now a middle-aged Indian woman who is married to an Indian feminist man and raising a feminist 3-year-old son (whose middle name is Atticus and who thinks he is actually Thomas the train.) They are amazing. The ways in which you have impacted the world have left me expecting so much more from our world. And I know that this is not an expectation I can have without being part of that change. The events from this week, this amazing women’s march, echoed globally that the expectations I have are not ones I hold in isolation. I want a different world. I need a different world.«

Add your voice bei der Obama Foundation! Was wir im Moment tun können, ist, miteinander zu reden und uns gegenseitig zu inspirieren.