Die komplett ausgedachte Trump/Russland-Theorie, die sich als richtig oder falsch erweisen könnte – oder auch nicht / The Completely Imaginary Trump/Russia Theory that May or May Not Prove To Be True or False

ENGLISH VERSION BELOW

Von Amy Porterfield Levy, übersetzt von Angelika Lauriel

1987 – „The Art of the Deal: Nuklearwaffen“

Trump entscheidet, dass Moskau ein Trump-Hotel braucht, und wie jeder gute Makler stellt er Überlegungen an, wie gut er die Frage der Vermehrung nuklearer Waffen lösen kann.

Trump: Ich habe eine großartige Idee, denn Immobilienhandel ist im Grunde das Gleiche wie Vertragsabschlüsse über Nuklearwaffen. Die Sowjetunion und ich sollten zusammenarbeiten und Frankreich bombardieren.

Sowjetunion: Nie von Ihnen gehört. Außerdem, schalten Sie mal einen Gang zurück, Sie Freak.

1996 – Trump mag Moskau

Trump: Ich mag Moskau so gern, dass ich dort eine exakte Kopie des Trump Towers errichten will. Außerdem bin ich pleite.

Russen: *seufz* Okay. Wir mögen Sie komischen Kerl auch. Sollen wir ein paar Eigentumswohnungen von Ihnen kaufen, damit Sie nicht mehr so pleite sind? „Die komplett ausgedachte Trump/Russland-Theorie, die sich als richtig oder falsch erweisen könnte – oder auch nicht / The Completely Imaginary Trump/Russia Theory that May or May Not Prove To Be True or False“ weiterlesen

Being Indian In Trump’s America

by Amitava Kumar. Read the full article in The New Yorker.

„The racist’s calling card is ignorance: he cannot discriminate (if that is the right word) between nationalities and religions, between Indians and Saudis and Egyptians, Hindus and Muslims and Sikhs. One of the first hate crimes to take place in the days following 9/11 was the murder of Balbir Singh Sodhi, a Sikh gas-station owner in Mesa, Arizona. The killer probably thought that Sodhi, with his turban and beard, was Muslim; he had told his friends that he was “going to go out and shoot some towelheads.” This year’s attacks bear some of the same hallmarks. Purinton reportedly shouted “Get out of my country!” before firing on the men from India, who he believed were from Iran. And last Friday a white man in Florida set fire to an Indian-owned convenience store because, he told police, it didn’t carry his brand of orange juice and he wished to “run the Arabs out of our country.” We, the mistaken people.“

Entmenschlichung / Dehumanization

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von Marcia Lynx Qualey

Über die (Nicht-)Begegnung mit Irakern oder Jemeniten und die sich verschiebenden Grenzen des Krieges

„Den anderen, anderen Krieg führt die USA im Mittleren Osten,“ schrieb die Intellektuelle und  Filmemacherin Maya Mikdashi und erstellte ein Facebook-Event, das zum Streik jemenitischer Geschäftsleute in New York aufrief. „Die neue Front verläuft nun durchs Land.“

Der Streik, der am 2. Februar stattfand, war eine Reaktion auf den Einreisestopp für Touristen und Einwohner aus sieben Ländern – Libyen, Iran, Irak, Syrien, Somalia, Sudan und dem Jemen, oder auch: #LIISSSY. Doch er erfolgte auch kurz nach einem Angriff der US Streitkräfte auf jemenitischem Boden, dem ersten unter Präsident Trump, bei dem ein achtjähriges amerikanisches Mädchen getötet wurde. Rund dreißig weitere Personen starben, unter ihnen nach Angaben von Rettungskräften vor Ort auch schätzungsweise zehn Frauen und Kinder. Das US Militär bestätigte, dass es unter den Toten Zivilisten gegeben habe, möglicherweise auch Kinder.

Seit 2011 haben US amerikanische Drohnenangriffe auf den Jemen bereits Dutzende Menschenleben gefordert, ein Ende ist noch nicht absehbar. Doch dieser Krieg wird vor uns versteckt. Die meisten US-Amerikaner wissen nur wenig über Ziele und Hintergründe, die über den generischen Tropus hinausgehen, das Land müsse „Terroristen“ bekämpfen. „Entmenschlichung / Dehumanization“ weiterlesen

The Books We’re Turning To Now – Was wir jetzt lesen

The New Yorker hat einige namhafte Autor*innen gefragt, was sie aktuell lesen
– und warum. Der indische, in den USA lebende Autor Karan Mahajan liest „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth und hat uns erlaubt, sein Statement zu übersetzen und hier zu veröffentlichen.

(Please read Karan Mahajan’s original entry here)

„Ich lese gerade “Radetzkymarsch” von Joseph Roth. Der Roman steckt voller Trauer über das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie – eine Zeit im Zwielicht, bevor der Erste Weltkrieg ausbrach. Die Figuren begreifen durchaus, dass das Reich am Ende ist, aber sie erleben dies mit einer inneren Trauer, die sie nicht überwinden können. Das kommt mir verdächtig bekannt vor. Menschen in meinem Alter 41n8wqvolxlkamen wenige Wochen vor oder nach 9/11 aufs College; wir machten zwei Jahre vor der Rezession unseren Abschluss; wir sahen zu, wie Obamas Präsidentschaft durch den Kongress abgewürgt wurde, und wie er nichts gegen die Wall Street unternahm. Und jetzt Trump. Mittlerweile ist unser Privatleben zu einem Kuddelmuddel aus Selbstmedikation verkommen: Tabletten, Meditation, Sport, no-carb-Ernährung. Wir tun so, als seien die strukturellen Probleme unsere persönlichen Probleme. Durch Trump sehen wir endlich ein für alle Mal, dass unsere Empfindungen in Wirklichkeit nicht unsere eigenen sind: Sie werden uns von oben aufgezwungen. Ich möchte Roths Buch denen empfehlen, die verstehen wollen, wie schnell das Ende eines Weltreichs über uns hereinbrechen kann.“

Hier ist der gesamte Artikel aus dem New Yorker.

Karan Mahajans Homepage

Karan auf Twitter

Ein paar Gedanken über unsere neue Regierung / Thoughts On Our Current Administration

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von Cecilia Suhr

Als Mitglied einer Minderheit wächst zunehmend meine Sorge, was die Entscheidung der aktuellen Regierung betrifft, Menschen bestimmter Nationalitäten und Glaubensgemeinschaften abzuweisen. Das Schlimmste daran ist die Ablehnung syrischer Flüchtlinge. Sie wird massive kulturelle und gesellschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Diese Entscheidung geht weit über das bloße ideologische Gezanke zwischen der rechten und der linken Partei hinaus.

16029431568_4325eb6619_zIch fürchte, dass bei einigen Amerikanern ein kollektives Bewusstsein für tiefsitzende Vorurteile gegenüber Ausländern oder Menschen bestimmter Glaubensgemeinschaften oder ethnischer Herkunft geweckt wird. Anstatt Amerikas Grundwerte hochzuhalten, welche in Inklusion, Diversität und Demokratie wurzeln, wird diese Politik unterschwellig und unverhohlen Hass, Fanatismus und Vorurteile schüren und diese zur „Norm“ erheben. „Ein paar Gedanken über unsere neue Regierung / Thoughts On Our Current Administration“ weiterlesen

„Immigrants: We Get the Job Done!“

 ENGLISH VERSION BELOW.

Please check out Thomas Adcock’s political essays on Culturmag.de

quigley

                                                                                                   —Facebook

SIMONNE QUIGLEY, née Lanowitz
A life of righteous resistance

von Thomas Adcock

Meine Lieblings-“nasty woman” – ein fröhlicher Ehrentitel, den wir Amerikaner an die Heldinnen des Women’s March on Washington vergeben, der am Tag, nachdem Donald J. Trump schändlicherweise die Macht übernahm, stattfand –  ist eine 96jährige Immigrantin namens Simonne Quigley.

Sie ist die Mutter meiner Freundin Bernadette Quigley, mit der ich auf der New Yorker Schwesterdemonstration marschierte, an diesem wundervollen Nachmittag des 21. Januars, als sich viele Städte in den gesamten Vereinigten Staaten und auf der Welt solidarisch mit denen zeigten, die auf die Straßen von Washington strömten. Insgesamt waren wir fünf Millionen Frauen (und Männer), die für die Demokratie auf die Barrikaden gingen. Niemand sagte diese Zahl voraus. Niemand sollte unsere Macht unterschätzen. Wir waren und sind eine Massenwiderstandsbewegung gegen Frauenfeindlichkeit, sexuelle Gewalt, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Faschismus, Antisemitismus, Homophobie, Autokratie, unternehmerische Habgier und vorsätzliche Dummheit, verkörpert von Mr. Trump und seinen Lakaien. „„Immigrants: We Get the Job Done!““ weiterlesen

Wir sind nicht außergewöhnlich

von Lyn Miller-Lachmann

Please visit Lyn’s blog and read this text in English.

messagesonwall2Wenn man die sieben Jahre in Madison, Wisconsin, zwischen 1983 und 1990 beiseitelässt, habe ich mein gesamtes Erwachsenenleben maximal drei Fahrtstunden von New York City entfernt gelebt. Abgesehen von eben diesen sieben Jahren hat auch mein Mann sein ganzes Leben maximal drei Fahrtstunden von New York City entfernt verbracht. Von seinem Elternhaus in Queens fuhr er nach Manhattan, sah den Bau des World Trade Centers und besuchte zwei Wochen nach den 9/11-Terrorattacken die Zerstörungsstätte. Auch ich habe die ausgebrannten Überreste des World Trade Centers gesehen. Des World Trade Centers, in dem ich einmal wegen eines abgelaufenen Passes war. Und ein anderes Mal, um die Büros der regionalen Planungskommission wegen eines Auftrags für eine kommunale Studierendenplanungsklasse aufzusuchen. Ich erinnere mich an die Nachrichten, befestigt an Maschendrahtzäunen und Mauern vor Feuerwachen und Polizeistationen nach 9/11, Beileidsbekundungen und Solidaritätserklärungen aus der ganzen Welt. Von vielen Orten, denen Terrorismus und Tragödien nicht fremd waren. Bis 9/11 hatten wir uns in den USA isoliert und sicher gefühlt. Zwei Weltkriege hatten Europa und Asien verwüstet, uns aber kaum berührt. Die Post-Zweiter-Weltkrieg-Kriege und die tödlichen Bürgerkämpfe in anderen Ländern beeinträchtigten uns nicht – trotz unserer Beteiligung in Vietnam, Chile, El Salvador, Iran und anderswo. Manchmal haben wir Solidaritätserklärungen an andere Menschen geschickt, aber nie zuvor waren wir die Empfänger von Beileidsbekundungen geworden. „Wir sind nicht außergewöhnlich“ weiterlesen

„Amerika im Ausnahmezustand“

„Trumps Triumph war nur möglich, weil Amerika hinter der glänzenden Fassade rostet. Amerika ist ein bipolarer Patient: Das Land bringt es fertig, gleichzeitig sexbesessen und prüde zu sein, religiös und materialistisch, extrem arm und unermesslich reich. […] Es sind diese Gegensätze, die mich seit langem faszinieren und zunehmend beunruhigen.“

Sehr lesenswerte Kolumne aus der Süddeutschen Zeitung von Michaela Haas.

The Plot Against America

Als Philip Roth seinen Roman „The Plot Against America“ schrieb, dachte er in Kategorien historischer What-ifs. Etwas wie das, was gerade in den USA geschieht, wäre ihm nicht in den Sinn gekommen. Über Trump sagt er heute:

„It isn’t Trump as a character, a human type—the real-estate type, the callow and callous killer capitalist—that outstrips the imagination. It is Trump as President of the United States.“

Spannende E-Mail-Statements in der aktuellen Ausgabe von  The New Yorker.

Wenn alles auf dem Spiel steht …

Naomi Klein über das, was gerade in Washington passiert, über Firmeninteressen, aus denen Regierungsinteressen geworden sind, über die Ängste, die Trump und seine Freunde trotzdem haben müssen:

This is the guy who came to power telling the boldest and brashest of lies, selling himself as a champion of the working man who would finally stand up to corporate power and influence in Washington. A portion of his base already has buyer’s remorse, and that portion is just going to grow.“

Wie alles von Klein lesenswert. Hier geht es zum Artikel, der am 26.1.2017 in The Nation erschien.