Geheime Botschaften in der Trump-Ära

Von Amy L. Freeman

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Leiste Widerstand.

Hingekritzelt mit schwarzem Edding entdeckte ich diese Wörter am Donnerstag in der Innenseite des Kartons der Fotos, die ich bestellt hatte. Merkwürdig, dachte ich, während ich mir die ersten Fotos ansah.

Die Bilder waren von mir und meinen Kindern, als wir während des Frauenmarschs Schilder hochgehalten haben, lächelnd und entschlossen mitten in einem Meer der Menschlichkeit. Mein Blick blieb erneut an den Wörtern hängen. Waren sie für mich bestimmt? Lieferanten schicken ja normalerweise keine geheimen Botschaften an ihre Kunden. Und in Fotoläden darf man den Inhalt der bestellten Bilder eigentlich nicht studieren, oder? „Geheime Botschaften in der Trump-Ära“ weiterlesen

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Wenn unsere kulturelle Heimat Los Angeles heißt statt Joshua Tree, wählen wir so einen Präsidenten/When Our Culture Is Los Angeles Instead of Joshua Tree, This Is How We Elect a President

Von Peter Brown Hoffmeister

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Teil I

Sonnenaufgang, der erste Tag in Joshua Tree, ein Purpurbrustkolibri
flattert und taucht in die späten Märzblüten neben meiner Terrasse, und ein Hausgimpelmännchen
mit einem Kopf so rot wie der Teppich in Hollywood, plappert mit seinem Weibchen über
Moskito-Schmaus und Fliegenspeck zum Frühstück.
Ich drehe mich um und beobachte einen Hasen, nach Westen gewandt, schläfrig auf seinen Hinterläufen,
die dunklen Spitzen seiner Ohren fangen die ersten warmen Sonnenstrahlen, die sich von
der Wüste her nach ihm ausstrecken, als ein Rabe sich bis auf einen Fuß auf seinen Kopf herabstürzt,
den vor sich hinstarrenden Hasen erwischt, der dann springt, oder – genauer gesagt –
hüpft, aufschreckt, indem er alle vier Hasenfüße in der Luft
zur Seite von sich streckt, bevor er wieder Boden unter den Füßen hat und
zwischen Purshia und Melden im Gestrüpp verschwindet.

Bei Macy’s in Los Angeles gibt es diese Woche 30% Rabatt auf Pelzmäntel. „Wenn unsere kulturelle Heimat Los Angeles heißt statt Joshua Tree, wählen wir so einen Präsidenten/When Our Culture Is Los Angeles Instead of Joshua Tree, This Is How We Elect a President“ weiterlesen

The beauty of math (Maryam Mirzakhani)

Als Teil der friedlichen Protestbewegung „Die Iden des Trump“, die sich mit Hilfe von Mailingaktionen gegen die Präsidentschaft von Donald Trump wendet, schrieb der iranischstämmige Mathematikprofessor Shadi Tahvildar-Zadeh die folgende Postkarte:

»Mr. President,
lange nachdem Sie aus dem Amt gewählt (oder enthoben) wurden und nachdem Sie ihren verdienten Platz im Mülleimer der Geschichte eingenommen haben, gleich neben anderen Diktatoren und Betrügern, wird man sich noch immer der iranisch-amerikanischen Maryam Mirzakhani dafür erinnern, dass sie die erste Frau war, die die höchste Auszeichnung der Mathematik erhalten hat. Lange nachdem man Sie gänzlich vergessen hat, wird sie nach wie vor eine Inspiration für jene amerikanischen Frauen sein, die ihren Traum verfolgen, Wissenschaftlerinnen zu werden.« „The beauty of math (Maryam Mirzakhani)“ weiterlesen

Shadi

Von Sarah Vania

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Ich bin so wütend, dass ich kaum sprechen kann. Also schreibe ich.

Bist Du je einem Iraner begegnet? Lass mich Dir Shadi vorstellen, meinen Ehemann, der seit dreißig Jahren hier lebt. Er hat Deine Kinder in Mathe unterrichtet, Deine Kollegen, Deine Mitbürger. Er bäckt Brot und er tanzt und rezitiert Lyrik und kann Dir im Prinzip den Namen eines jeden klassischen Musikstücks nennen, das Du ihm vorspielst, inklusive pikanter Einzelheiten aus dem Leben des entsprechenden Komponisten. Er ist einer der aufrichtigsten, gütigsten, klügsten und ehrbarsten Menschen, die auf dieser Erde wandeln. „Shadi“ weiterlesen

Good Day Café

Von Nate Whitehouse

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Ich besuchte heute ein einfaches Café in Grand Prairie, Texas, namens Good Day Café. Die Gegend dort ist flach, mit schlichten Reihenhäusern, die eine Baufirma vielleicht in den Siebzigern hingestellt hat. In dem Viertel gibt es einige Waffenläden, eine Vietnamesische Kirche und eine Menge trockenes Gestrüpp. Meine Mutter, mein Vater und meine Schwester fügten sich ins Leuchtstoff-Linoleum-Ambiente. Junge mexikanische Frauen wuselten herum, schenkten wässrigen Kaffee aus und servierten Western-Omelettes, Eier mit Chorizo. An den Wänden hing einfache, geschmackvolle Dekoration – Keramik, Bilder. Ein Familienunternehmen – irgendjemand hatte die Welt riskiert, um es auf die Beine zu stellen und es lief gut. „Good Day Café“ weiterlesen

Dystopie/Dystopia

Von Brandy Judkins 

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Dystopie, (Substantiv), dys-to-pie, \dʏstoˈpiː\

1: ein imaginärer Ort an dem die Bevölkerung, ihrer Menschlichkeit beraubt, in Angst lebt

2: Literatur: das Gegenteil einer Utopie

Seit dem 9.November befindet sich die Mehrheit der Bürger_Innen und Einwohner_Innen der USA – die Mehrheit, die – so sie wählen konnte – nicht Trump gewählt hat – in einem Zustand von Angst, Wut, Empörung und Ekel. Wie konnte solch ein unqualifizierter, ordinärer, schlecht vorbereiteter, nativistischer Selbstdarsteller zum Präsidenten der USA gewählt werden? Im Jahr 2017? „Dystopie/Dystopia“ weiterlesen

Astronauten/Astronauts

Von Bob Gaulke

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Wie gehen die New Yorker mit Trumps Präsidentschaft um? Ich merke, dass die Menschen ängstlich sind, offen gesagt. Hier ist jeder ein Einwanderer. Einige Leute haben sogar das Gefühl, dass wie »Amerika« »New York« ebenso ein Konzept wie eine politische oder geographische Bezeichnung ist. Als solches gehen wir an Trump als typisch amerikanisches/New York Narrativ heran und sehen es als interaktives Katastrophenspektakel. Social Media hält uns zusammen, in dem Ausmaß, dass die Netzwerke politische Aktionen wie Demonstrationen, Proteste oder die Kommunikation mit gewählten Funktionären anheizen können und vielleicht dazu beitragen, das Biest zu wecken. „Astronauten/Astronauts“ weiterlesen

Hier bin ich und schaue/Here I am looking

Von Pamela Woolford

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Hier bin ich und schaue in die Kamera. Im letzten Sommer, 2016, und ich werde mich gleich neben Frauen hinlegen, die ich nicht kenne. Da sind mehr als vierzig von uns. Jede hat sich in ein Leintuch gewickelt, verteilt von einem Volontär.

Wir stehen noch in der Gruppe beisammen, warten darauf, uns denen am Boden anzuschließen, beobachten, starren die an, die vor uns aufgereiht liegen, so wie wir auch gleich liegen werden, Schulter an Schulter, die Arme aneinandergepresst, als zweite Linie über der, die bereits liegt.

Für mich unerwartet ist da kein Aroma von Puder oder Parfüm. Ich rieche den Duft unserer Körper. „Hier bin ich und schaue/Here I am looking“ weiterlesen

Unser Hitler/Our Hitler

Von Eduardo Santiago

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Der 25. November wird bei uns zu Hause Markmas genannt, weil es genau einen Monat vor Weihnachten und außerdem Marks Geburtstag ist. Er liebt alle Feiertage und einen weiteren hinzuzufügen ist eine Tradition, die der Rest der Familie und alle unsere Freunde nur zu gerne unterstützen.

Aber wie sollen wir den 25. November jetzt nennen, da dieser Tag durch den Tod des tyrannischen kubanischen Diktators, Fidel Castro, beschmutzt wird? Sein Tod ist politisch unbedeutend, selbst wenn er von vielen in den Straßen Havannas »betrauert« wurde, ob sie nun wollten oder nicht. Neun Tage Staatstrauer wurden angeordnet, was bedeutet, dass jeder, der dabei erwischt wird, Radio zu hören oder fernzusehen oder nur einfach vor sich hinsummt – selbst wenn es in den eigenen vier Wänden geschieht – mit Konsequenzen rechnen muss. Wer Probleme mit Wörtern wie »tyrannisch« oder »Diktator« haben sollte, weiß nun Bescheid. „Unser Hitler/Our Hitler“ weiterlesen