Fundstück: The Hope Speech

Als erster offen schwuler Politiker der USA hielt Harvey Milk 1978 diese Rede. Bald danach wurde er ermordet. Bis heute habe seine Worte nichts von ihrer Bedeutung verloren und es ist großartig, dass das Anthony Almeida mit dem Projekt »Figures of Speech« unsere Erinnerung an große Reden mit großer Wirkung wach hält.

»We believe what changes opinion, changes narrative, changes momentum, are words. Words crafted from genuinely big ideas, delivered through deft structure by inspirational women and men, wherever a meaningful audience can be found.

By exploring some of the world’s most vital speeches we want to remember what leadership sounds like, through speeches which have carved a path through our history by changing hearts and minds.« (Almeida Theatre)

Der wunderbare Ian McKellen mit Harvey Milks Hope Speech.

I’m in!

Gestern hatte ich einen besonderen Brief im Posteingang, eine Nachricht von Barack Obama und seiner Obama Foundation. Dort werden die Stimmen der Bürger gesammelt, was sie inspiriert, was sie sich wünschen und was einen guten Bürger eigentlich ausmacht. In der E-Mail teilt Obama den Brief von Sindhu I., in dem sie sich bei Michelle Obama dafür bedankt, dass sie sie vor über zwanzig Jahren in einer Rede so sehr inspiriert hat, aus ihrem Leben etwas zu machen und für andere da zu sein. Sindhu arbeitet heute mit psychisch kranken Kindern und Erwachsenen sowie als medizinische Dozentin. Und dieser Absatz aus Sindhus Brief hat mich berührt, gerade am Internationalen Frauentag.

»I am now a middle-aged Indian woman who is married to an Indian feminist man and raising a feminist 3-year-old son (whose middle name is Atticus and who thinks he is actually Thomas the train.) They are amazing. The ways in which you have impacted the world have left me expecting so much more from our world. And I know that this is not an expectation I can have without being part of that change. The events from this week, this amazing women’s march, echoed globally that the expectations I have are not ones I hold in isolation. I want a different world. I need a different world.«

Add your voice bei der Obama Foundation! Was wir im Moment tun können, ist, miteinander zu reden und uns gegenseitig zu inspirieren.

Ein Angestellter mit 324 Millionen Chefs

In einer wortgewaltigen Kolumne im Miami Herald erinnert Autor, Journalist und Pulitzer Prize Gewinner Leonard Pitts, Jr den Präsidenten der Vereinigten Staaten daran, dass er jetzt ein Angestellter ist, kein Kaiser.

»You tell people to make something happen, and it does. You yell at a problem, and it goes away. Nobody talks back. I can see how it would be hard to give that up. But you did. You see, you’re no longer an emperor, Mr. So-Called President. You’re now what is called a “public servant” — in effect, an employee with 324 million bosses. And let me tell you something about those bosses. They’re unruly and loud, long accustomed to speaking their minds without fear or fetter. And they believe power must always answer to the people. That’s at the core of their identity.«

The Books We’re Turning To Now – Was wir jetzt lesen

The New Yorker hat einige namhafte Autor*innen gefragt, was sie aktuell lesen
– und warum. Der indische, in den USA lebende Autor Karan Mahajan liest „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth und hat uns erlaubt, sein Statement zu übersetzen und hier zu veröffentlichen.

(Please read Karan Mahajan’s original entry here)

„Ich lese gerade “Radetzkymarsch” von Joseph Roth. Der Roman steckt voller Trauer über das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie – eine Zeit im Zwielicht, bevor der Erste Weltkrieg ausbrach. Die Figuren begreifen durchaus, dass das Reich am Ende ist, aber sie erleben dies mit einer inneren Trauer, die sie nicht überwinden können. Das kommt mir verdächtig bekannt vor. Menschen in meinem Alter 41n8wqvolxlkamen wenige Wochen vor oder nach 9/11 aufs College; wir machten zwei Jahre vor der Rezession unseren Abschluss; wir sahen zu, wie Obamas Präsidentschaft durch den Kongress abgewürgt wurde, und wie er nichts gegen die Wall Street unternahm. Und jetzt Trump. Mittlerweile ist unser Privatleben zu einem Kuddelmuddel aus Selbstmedikation verkommen: Tabletten, Meditation, Sport, no-carb-Ernährung. Wir tun so, als seien die strukturellen Probleme unsere persönlichen Probleme. Durch Trump sehen wir endlich ein für alle Mal, dass unsere Empfindungen in Wirklichkeit nicht unsere eigenen sind: Sie werden uns von oben aufgezwungen. Ich möchte Roths Buch denen empfehlen, die verstehen wollen, wie schnell das Ende eines Weltreichs über uns hereinbrechen kann.“

Hier ist der gesamte Artikel aus dem New Yorker.

Karan Mahajans Homepage

Karan auf Twitter

„Amerika im Ausnahmezustand“

„Trumps Triumph war nur möglich, weil Amerika hinter der glänzenden Fassade rostet. Amerika ist ein bipolarer Patient: Das Land bringt es fertig, gleichzeitig sexbesessen und prüde zu sein, religiös und materialistisch, extrem arm und unermesslich reich. […] Es sind diese Gegensätze, die mich seit langem faszinieren und zunehmend beunruhigen.“

Sehr lesenswerte Kolumne aus der Süddeutschen Zeitung von Michaela Haas.

The Plot Against America

Als Philip Roth seinen Roman „The Plot Against America“ schrieb, dachte er in Kategorien historischer What-ifs. Etwas wie das, was gerade in den USA geschieht, wäre ihm nicht in den Sinn gekommen. Über Trump sagt er heute:

„It isn’t Trump as a character, a human type—the real-estate type, the callow and callous killer capitalist—that outstrips the imagination. It is Trump as President of the United States.“

Spannende E-Mail-Statements in der aktuellen Ausgabe von  The New Yorker.

Wenn alles auf dem Spiel steht …

Naomi Klein über das, was gerade in Washington passiert, über Firmeninteressen, aus denen Regierungsinteressen geworden sind, über die Ängste, die Trump und seine Freunde trotzdem haben müssen:

This is the guy who came to power telling the boldest and brashest of lies, selling himself as a champion of the working man who would finally stand up to corporate power and influence in Washington. A portion of his base already has buyer’s remorse, and that portion is just going to grow.“

Wie alles von Klein lesenswert. Hier geht es zum Artikel, der am 26.1.2017 in The Nation erschien.