Good Day Café

Von Nate Whitehouse

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Ich besuchte heute ein einfaches Café in Grand Prairie, Texas, namens Good Day Café. Die Gegend dort ist flach, mit schlichten Reihenhäusern, die eine Baufirma vielleicht in den Siebzigern hingestellt hat. In dem Viertel gibt es einige Waffenläden, eine Vietnamesische Kirche und eine Menge trockenes Gestrüpp. Meine Mutter, mein Vater und meine Schwester fügten sich ins Leuchtstoff-Linoleum-Ambiente. Junge mexikanische Frauen wuselten herum, schenkten wässrigen Kaffee aus und servierten Western-Omelettes, Eier mit Chorizo. An den Wänden hing einfache, geschmackvolle Dekoration – Keramik, Bilder. Ein Familienunternehmen – irgendjemand hatte die Welt riskiert, um es auf die Beine zu stellen und es lief gut. „Good Day Café“ weiterlesen

I’m in!

Gestern hatte ich einen besonderen Brief im Posteingang, eine Nachricht von Barack Obama und seiner Obama Foundation. Dort werden die Stimmen der Bürger gesammelt, was sie inspiriert, was sie sich wünschen und was einen guten Bürger eigentlich ausmacht. In der E-Mail teilt Obama den Brief von Sindhu I., in dem sie sich bei Michelle Obama dafür bedankt, dass sie sie vor über zwanzig Jahren in einer Rede so sehr inspiriert hat, aus ihrem Leben etwas zu machen und für andere da zu sein. Sindhu arbeitet heute mit psychisch kranken Kindern und Erwachsenen sowie als medizinische Dozentin. Und dieser Absatz aus Sindhus Brief hat mich berührt, gerade am Internationalen Frauentag.

»I am now a middle-aged Indian woman who is married to an Indian feminist man and raising a feminist 3-year-old son (whose middle name is Atticus and who thinks he is actually Thomas the train.) They are amazing. The ways in which you have impacted the world have left me expecting so much more from our world. And I know that this is not an expectation I can have without being part of that change. The events from this week, this amazing women’s march, echoed globally that the expectations I have are not ones I hold in isolation. I want a different world. I need a different world.«

Add your voice bei der Obama Foundation! Was wir im Moment tun können, ist, miteinander zu reden und uns gegenseitig zu inspirieren.

Dystopie/Dystopia

Von Brandy Judkins 

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Dystopie, (Substantiv), dys-to-pie, \dʏstoˈpiː\

1: ein imaginärer Ort an dem die Bevölkerung, ihrer Menschlichkeit beraubt, in Angst lebt

2: Literatur: das Gegenteil einer Utopie

Seit dem 9.November befindet sich die Mehrheit der Bürger_Innen und Einwohner_Innen der USA – die Mehrheit, die – so sie wählen konnte – nicht Trump gewählt hat – in einem Zustand von Angst, Wut, Empörung und Ekel. Wie konnte solch ein unqualifizierter, ordinärer, schlecht vorbereiteter, nativistischer Selbstdarsteller zum Präsidenten der USA gewählt werden? Im Jahr 2017? „Dystopie/Dystopia“ weiterlesen

Astronauten/Astronauts

Von Bob Gaulke

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Wie gehen die New Yorker mit Trumps Präsidentschaft um? Ich merke, dass die Menschen ängstlich sind, offen gesagt. Hier ist jeder ein Einwanderer. Einige Leute haben sogar das Gefühl, dass wie »Amerika« »New York« ebenso ein Konzept wie eine politische oder geographische Bezeichnung ist. Als solches gehen wir an Trump als typisch amerikanisches/New York Narrativ heran und sehen es als interaktives Katastrophenspektakel. Social Media hält uns zusammen, in dem Ausmaß, dass die Netzwerke politische Aktionen wie Demonstrationen, Proteste oder die Kommunikation mit gewählten Funktionären anheizen können und vielleicht dazu beitragen, das Biest zu wecken. „Astronauten/Astronauts“ weiterlesen

Hier bin ich und schaue/Here I am looking

Von Pamela Woolford

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Hier bin ich und schaue in die Kamera. Im letzten Sommer, 2016, und ich werde mich gleich neben Frauen hinlegen, die ich nicht kenne. Da sind mehr als vierzig von uns. Jede hat sich in ein Leintuch gewickelt, verteilt von einem Volontär.

Wir stehen noch in der Gruppe beisammen, warten darauf, uns denen am Boden anzuschließen, beobachten, starren die an, die vor uns aufgereiht liegen, so wie wir auch gleich liegen werden, Schulter an Schulter, die Arme aneinandergepresst, als zweite Linie über der, die bereits liegt.

Für mich unerwartet ist da kein Aroma von Puder oder Parfüm. Ich rieche den Duft unserer Körper. „Hier bin ich und schaue/Here I am looking“ weiterlesen

Unser Hitler/Our Hitler

Von Eduardo Santiago

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Der 25. November wird bei uns zu Hause Markmas genannt, weil es genau einen Monat vor Weihnachten und außerdem Marks Geburtstag ist. Er liebt alle Feiertage und einen weiteren hinzuzufügen ist eine Tradition, die der Rest der Familie und alle unsere Freunde nur zu gerne unterstützen.

Aber wie sollen wir den 25. November jetzt nennen, da dieser Tag durch den Tod des tyrannischen kubanischen Diktators, Fidel Castro, beschmutzt wird? Sein Tod ist politisch unbedeutend, selbst wenn er von vielen in den Straßen Havannas »betrauert« wurde, ob sie nun wollten oder nicht. Neun Tage Staatstrauer wurden angeordnet, was bedeutet, dass jeder, der dabei erwischt wird, Radio zu hören oder fernzusehen oder nur einfach vor sich hinsummt – selbst wenn es in den eigenen vier Wänden geschieht – mit Konsequenzen rechnen muss. Wer Probleme mit Wörtern wie »tyrannisch« oder »Diktator« haben sollte, weiß nun Bescheid. „Unser Hitler/Our Hitler“ weiterlesen

Liebe Tochter!/Dear Daughter

Von Lia Langworthy

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Liebe Tochter!

Du bekamst einen Weinkrampf, als CNN ihn zum Gewinner erklärte. Wie betäubt, mit stoischer Ruhe, hielt ich dich, meine Gedanken kreisten, überlastet, defekt, unfähig, zu verarbeiten, was ich hörte und sah. Ich implodierte vor lauter heimtückischen Emotionen. Tröstliche Worte fielen mir keine ein.

Ich rief deinen Vater an. Er sollte sich um deine Ängste und Fragen kümmern, während ich dir den Rücken streichelte. Ich wünschte mir verzweifelt, mit dir weinen zu können, aber stattdessen wartete ich darauf, dass mein Körper zu meinen außer Kontrolle geratenen Gefühlen aufschließen würde.

Während du mit deinem Vater sprachst, habe ich ferngesehen und meinen eigenen narzisstischen schwarzen Vater in Donald Trumps Rhetorik gehört. Ich erkannte das weiße Privilegiendenken meiner Mutter in den Millionen weißen Frauen, die für ihn gestimmt hatten. Ich sah einen Sextäter, der ungestraft davongekommen ist. Ich sah die Abscheulichkeit des Hasses in den Millionen Rassisten, die dieses Land Heimat nennen. Ich sah ein System weißer Überlegenheit, das offen den Spitzenplatz fordert. Ich sah das alles, hatte aber zu große Angst, es zu fühlen. Ich war nicht in Sicherheit, obwohl ich wohlbehalten neben dir auf der Couch saß. Die Wahlergebnisse hatten meine Gedanken und meinen Körper auf zwei verschiedene Planeten geschossen. Wann würden sie wieder landen und sich vereinigen?
„Liebe Tochter!/Dear Daughter“ weiterlesen

Die Straßen/The Streets

Von Raya Yarbrough

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Meine Tante brachte mich nach Harlem, zum Adam Clayton Powell Jr. Blvd.
Sie sprach mit mir über Geschichte und Kampf,
und in meinem Kopf wurde das die Geschichte vom Kampf.
Und mein Leben ging weiter.
Farblose Gespräche.
Fröhliches weißes Rauschen.
Dann wachte ich auf, und ihre Worte waren nicht Geschichte.
Leg deine Hand auf den Asphalt.
Die Straßen sind heiß.
Sie kühlten nie ab. „Die Straßen/The Streets“ weiterlesen